Abitur nachholen – Möglichkeiten für den Neustart

Abitur nachholen – Möglichkeiten für den Neustart

Nicht immer schaffen Abiturienten ihr Abitur bereits beim ersten Mal, werfen alles hin, um dann doch früher oder später das Abitur nachzuholen. Andere wiederum entschließen sich nach der 10. Klasse erst einmal zu einer Berufsausbildung und arbeiten ein paar Jahre, bevor sie sich dazu entscheiden, das Abitur zu machen.

In Deutschland existieren derzeit mehrere Möglichkeiten, Ihre Hochschulreife nachzuholen. Sie können sich

  • am Kolleg,
  • an der Abendschule oder
  • an Volkshochschulen einschreiben oder
  • das Abitur per Online- oder Fern-Abitur

nachholen.

Jede dieser Möglichkeiten hat Vor- und Nachteile. So eignet sich das Fernabitur oder Online-Abitur für all Jene, die das Abitur neben dem Job nachholen möchten oder aufgrund von Kindererziehung keine Möglichkeiten haben, in einem Klassenverbund am Unterricht teilzunehmen. Wer mehr Zeit hat und das Abitur auch ohne Job finanzieren kann, ist mit der Abendschule oder dem Kolleg gut beraten.

Welche Voraussetzungen müssen Sie erfüllen?

Das Abitur ist in Deutschland an kein Alter gebunden. Das heißt, dass Sie selbst im hohen Alter noch einmal die Schulbank drücken könnten, wenn Sie das möchten.

Sie müssen lediglich einen Real- oder Hauptschulabschluss sowie eine Berufstätigkeit von mindestens drei Jahren nachweisen. In einigen Bundesländern sind es sogar nur zwei Jahre. Erziehungszeiten und Arbeitslosigkeit können unter Umständen ebenfalls als Berufstätigkeit angerechnet werden.

Je nach Art Ihres Schulabschlusses und den Bedingungen der jeweiligen Bildungseinrichtung kann es passieren, dass Sie einen Einstufungstest ablegen müssen, um Ihre Fähigkeiten zu beweisen. Diese Tests werden häufig vorgenommen, wenn beispielsweise der Schulabschluss zu schlecht war oder nur eine Fremdsprache gelernt wurde. Voraussetzung sind beim Abitur regulär mindestens zwei Fremdsprachen. Im Falle einer fehlenden Fremdsprache oder eines Hauptschulabschlusses verlängert sich die Abiturzeit um ein bis zwei Jahre.

Wie viel Zeit müssen Sie einplanen?

Wie beim “normalen” Abitur dauert auch das nachgeholte Abitur drei Jahre. Sind vorbereitende Kurse z. B. in Fremdsprachen oder naturwissenschaftlichen Fächern notwendig, verlängert sich die Zeit um die Dauer der Vorkurse. Meistens handelt es sich hierbei um eine Verlängerung von einem halben bis ganzen Jahr. Insgesamt sind pro Woche mindestens 20 Stunden notwendig, um den Abiturstoff zu schaffen.

Wird das nachgeholte Abitur als vollwertiger Abschluss anerkannt?

Das nachgeholte Abitur endet genau wie das herkömmliche Abitur mit einer Abiturprüfung mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung in einem Grundkurs und jeweils einer schriftlichen Prüfung in den Leistungskursen.

Wird das Abitur an der Volkshochschule oder per Fernstudium nachgeholt, erfolgt die Abnahme der Prüfung an einem örtlichen Gymnasium als externes Abitur. Der Abiturient muss die Prüfung selbstständig bei der Schulbehörde des Bundeslandes anmelden, in dem er wohnt. Da diese Prüfungen nur einmal pro Jahr stattfinden, ist eine rechtzeitige Anmeldung bei der Schulbehörde notwendig. Diese Prüfung ist kostenpflichtig.

Muss das nachgeholte Abitur bezahlt werden?

Die Kosten für das nachgeholte Abitur variieren je nach Art der Bildungseinrichtung. Während Kollegs und die staatlichen Abendschulen normalerweise kostenlos sind, fallen bei privaten Bildungseinrichtungen unterschiedlich hohe Gebühren an.

Abiturienten, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und ein Kolleg, eine Abendschule oder das Abitur im Fernstudium absolvieren, können das Abitur durch elternunabhängiges BAföG fördern lassen. In allen anderen Fällen kann ein Bildungskredit, Stipendium oder eine Förderung durch die Agentur für Arbeit beantragt werden.

Bildungskredit – elternunabhängige Förderung durch die KfW

Wer nicht mit dem BAföG auskommt oder keinen Anspruch auf diese Unterstützung hat, kann bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) einen Bildungskredit beantragen. Dieser Kredit kann unabhängig vom Einkommen und BAföG beantragt werden und wird bis zu 24 Monate in monatlichen Raten von 100 bis höchstens 300 Euro gewährt.

Im Gegensatz zum BAföG müssen beim Bildungskredit keine Leistungsnachweise erbracht werden. Eine Antragstellung ist jedoch nur bis zum 36. Lebensjahr möglich. Der Kredit muss spätestens vier Jahre nach der Erstauszahlung zurückgezahlt werden. Die Zahlung ist in Raten und als Gesamtbetrag möglich.

Elternunabhängiges BAföG für unter 30-Jährige

Wird das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg an einem Kolleg, einer Abendschule oder per Fernstudium absolviert, haben Abiturienten Anspruch auf elternunabhängiges BAföG. Die Höhe des BAföGs hängt von der Art der Bildungseinrichtung und der Unterkunft des Abiturienten ab.

Der Antrag erfolgt beim BAföG-Amt im zuständigen Bereich des Auszubildenden. Wird BAföG gewährt, muss das Abitur spätestens nach einem Jahr der BAföG-Gewährung begonnen werden. Sonst verfällt der Anspruch.

Da das BAföG nur für jeweils ein Jahr gewährt wird, muss ein Folgeantrag mindestens zwei Monate vor Ablauf der Gewährungsfrist beim Amt für Ausbildungsförderung gestellt werden.

Die Rückzahlung des Darlehens erfolgt fünf Jahre nach dem Studienende in vierteljährlichen Raten von 315 Euro. Ist eine Rückzahlung nicht möglich, kann der Schuldner eine Stundung oder Aussetzung beantragen.

Mit einem Stipendium durchs Abitur

Für Abiturienten im zweiten Bildungsweg gewährt unter Umständen die Hans-Böckler-Stiftung ein Stipendium. Die Abiturienten können sich im sogenannten gewerkschaftlichen Verfahren (Der potenzielle Stipendiat muss Mitglied einer Gewerkschaft sein.) oder über das ergänzende Auswahlverfahren um das Stipendium bewerben. Eine Bewerbung über die “Böckler-Aktion Bildung” ist im Falle des zweiten Bildungswegs nicht möglich.

Gute Chancen haben Antragsteller, die bereits über eine dreijährige Berufserfahrung oder eine dreijährige Berufsausbildung verfügen und sich gewerkschaftlich bzw. ehrenamtlich engagieren. Auch die Zeugnisse spielen bei der Gewährung eines Stipendiats eine große Rolle.

Die Finanzierung des Abiturs über den zweiten Bildungsweg über Stiftungen ist in Deutschland jedoch eher schwierig und selten. Normal ist hier eher die Finanzierung über einen Bildungskredit oder das BAföG.

Share This