Bewerbungstipps für Großbritannien

Bewerbungstipps für Großbritannien

Wie im restlichen anglo-amerikanischen Raum ist es Großbritannien üblich bei einer Bewerbung lediglich ein Anschreiben und einen Lebenslauf zu verschicken. Eine Besonderheit besitzt Großbritannien jedoch, was den Bewerbungsprozess betrifft. Wer sich in Großbritannien bewirbt, muss damit rechnen, dass er von der Firma aufgefordert wird, einen Personalfragebogen auszufüllen. Einen solchen Fragebogen sollte man sehr ernst nehmen und ihn sorgfältig ausfüllen. Es werden in der Regel sowohl berufliche als auch persönliche Fragen gestellt und dabei Antworten erwartet, die konkreter ausfallen sollten als in einem tabellarischen Lebenslauf. Es ist üblich, dass die Fragebögen handschriftlich ausgefüllt werden. Der Personalfragebogen kann dem Bewerber das Tor zum Vorstellungsgespräch öffnen. Darüber hinaus muss die Bewerbung in exzellentem Englisch formuliert sein. In Großbritannien ist es nicht üblich, sich vor dem Verschicken der Bewerbung telefonisch beim möglichen Arbeitgeber zu melden. Allerdings ist es durchaus angemessen, sich nach dem Versenden der Bewerbung beim möglichen Arbeitgeber zu erkundigen, ob die Bewerbung angekommen ist.

Was zu den Bewerbungsunterlagen gehört

Zu den Bewerbungsunterlagen gehören ein Anschreiben („cover letter“), ein Lebenslauf („cv“) sowie die Angabe von Referenzen. Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse sind nicht Bestandteil einer Bewerbung. Ein Lichtbild sollte der Bewerbung auf keinen Fall zugefügt werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert sogar, dass die Bewerbung im Papierkorb landet. Die Bewerbung wird auch nicht in einer Mappe abgeheftet sondern als lose Blätter in einem Briefumschlag verschickt. Man sollte allerdings auf eine gute Papierqualität achten.

Das Anschreiben

Das Anschreiben sollte direkt an eine Person gerichtet sein. In Großbritannien verwendet man keine Titel bei der Anrede, es sei denn, bei dem Ansprechpartner handelt es sich um einen Arzt. Das Anschreiben ist in der Regel nicht länger als eine Seite. Wer schon viel Berufserfahrung hat, darf auch ein zweiseitiges Anschreiben verfassen. Wie bei anderen Anschreiben soll der Bewerber beim Anschreiben in Großbritannien seine Motivation für die Bewerbung und seine Eignung für die Stelle, durch Berufserfahrung und Qualifikationen, darlegen. In Großbritannien ist Originalität im Anschreiben gern gesehen. Auch ein wenig Humor kommt gut an. Allerdings sollte der Ton des Anschreibens unbedingt sachlich bleiben.

Aufbau des Anschreibens:

  • eigene Kontaktdaten
  • Kontaktdaten des Arbeitgebers
  • Datum
  • direkte Anrede des Ansprechpartners (unter Umständen telefonisch erfragen)
  • Betreffzeile (kommt üblicherweise zwischen der Anrede und dem Text)
  • Text

Der Lebenslauf

Der Lebenslauf sollte sich auf das Wesentliche beschränken. Detaillierte Angaben zur Schullaufbahn sind unerwünscht. Wer schon viel Arbeitserfahrung hat, kann die Angaben zu Schulabschlüssen auch ganz weglassen. Es ist zum Teil sogar möglich, der Bewerbung kein Anschreiben beizufügen und nur einen Lebenslauf zu verschicken. In diesem Fall sollte man ein Selbstporträt von bis zu 50 Wörtern Länge an den Anfang des Lebenslaufs stellen. Hier sollte man kurz auf die eigenen Qualifikationen eingehen und die beruflichen Ziele darlegen. Der Lebenslauf ist höchstens zwei Seiten lang. Der Lebenslauf wird in anti-chronologischer Reihenfolge verfasst. Wenn man den Lebenslauf ähnlich einem Personalfragebogen aufbaut, erhöht sich die Chance, dass man den Personalfragebogen gar nicht ausfüllen muss. Persönliche Angaben wie Religionszugehörigkeit, Familienstand oder Anzahl der Kinder werden im Lebenslauf nicht erwähnt.

Aufbau des Lebenslaufs:

  • persönliche Angaben
  • Ausbildung (mit Noten nach englischem Benotungssystem)
  • Berufserfahrung
  • weitere Kenntnisse
  • Angabe von Referenzen

Referenzen

Am Ende des Lebenslauf benennt man mindestens zwei Referenzen mit Name und Kontaktdaten. Diese sollten des Englischen mächtig sein, da sie möglicherweise telefonisch kontaktiert werden. Alternativ kann man auch mit den Worten „references available on request“ enden.

Innerhalb der Europäischen Union gibt es mit dem Europass-Lebenslauf eine allgemeine Regelung für die Struktur und den Inhalt von Lebensläufen. Den Europass-Lebenslauf kann man auf der Website des Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) online erstellen.

Anerkennung von deutschen Abschlüssen

Über die Anerkennung von ausländischen Berufsausbildungen und Hochschulabschlüssen hat die Europäische Union Richtlinien erstellt, die auch für Großbritannien gelten. In vielen Fällen entscheidet der mögliche Arbeitgeber, ob er der Meinung ist, dass der Bewerber durch seine Berufserfahrung und Kompetenzen ausreichend qualifiziert ist. Der Ausbildungsabschluss ist also nicht unbedingt ausschlaggebend. Für manche Berufe benötigt man eine staatliche Zulassung, um den Beruf ausüben zu dürfen. In Großbritannien kann man sich beim „National Academic Recognition Information Centre (NARIC)“ über die Bedingungen für die Anerkennung von Abschlüssen erkundigen.

Das Vorstellungsgespräch

Wer sich aus Deutschland um eine Stelle in Großbritannien bewirbt, muss damit rechnen, dass das erste Vorstellungsgespräch telefonisch oder zum Beispiel über Skype durchgeführt wird. Ist der mögliche Arbeitgeber von dem Bewerber angetan, wird er ihn auch zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch nach Großbritannien einladen. Die Vorstellungsgespräche laufen wie strukturierte Interviews ab. Fragen zu den persönlichen Lebensumständen sind eigentlich nicht erlaubt, dürfen aber gestellt werden, wenn die Information für die angebotene Stelle wichtig ist. Auch Persönlichkeitstests als Auswahlkriterien sind in Großbritannien durchaus üblich. Zum Teil kommen auch Assessment Center zum Einsatz. Dies hängt allerdings vom Unternehmen und der Art der Stelle ab. Da die Bewerbung nur aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf besteht, nimmt man zum Vorstellungsgespräch auch Originalzeugnisse und beglaubigte Übersetzungen der Zeugnisse mit.

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