In Brasilien leben und arbeiten

In Brasilien leben und arbeiten

Tipps für Auswanderer

Brasilien war schon immer ein begehrtes Zielland für Auswanderer. Viele Deutsche, Italiener und andere Europäer, neben den Portugiesen, wanderten bereits vor Jahrzehnten nach Brasilien aus. Brasilien ist eine aufsteigende Wirtschaftsmacht und bietet in vielen Industriezweigen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Die Lebenshaltungskosten in Brasilien sind in etwa mit Deutschland vergleichbar. Allerdings ist im Süden des Landes alles etwas teurer als im ärmeren Norden. In den Großstädten Rio de Janeiro und São Paulo kann man die Lebenshaltungskosten mit den Städten München oder Hamburg vergleichen. Insgesamt sind die Gehälter in Brasilien niedriger als in Deutschland. Doch je höher die Ausbildung und Qualifikation desto besser ist die Bezahlung. Ein Top-Manager kann auch schon einmal mehr verdienen als jemand auf vergleichbarem Posten in New York oder London.

Wer in Brasilien sesshaft werden möchte, sollte unbedingt Brasilianisch (Portugiesisch) sprechen.

Für wen eignet sich Brasilien als Auswanderungsland?

Für Expats ist Brasilien mittlerweile ein weniger interessantes Land, da auch deutsche Unternehmen dort inzwischen verstärkt auf lokale Arbeitskräfte zurückgreifen und ihre deutschen Angestellten nicht mehr einfliegen lassen. Trotzdem bietet Brasilien für hochqualifizierte Fachkräfte und Akademiker aus dem Ausland zahlreiche Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Berufe, die in Brasilien besonders gesucht werden, sind:

  • Techniker
  • Ingenieure
  • Bauunternehmer
  • Naturwissenschaftler

Um eine Chance auf dem brasilianischen Arbeitsmarkt zu haben, sollte man bereits gut Portugiesisch sprechen und sich im Land aufhalten. Eine Bewerbung aus Deutschland ist so gut wie aussichtslos. Die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer hilft bei der Vermittlung von Stellen und kann Adressen von Unternehmen in Brasilien bereitstellen.

Voraussetzungen für ein unbegrenztes Visum

Aufgrund eines Abkommens zwischen Deutschland und Brasilien aus dem Jahr 2012 benötigen Deutsche kein Einreisevisum für Brasilien mehr, wenn sie sich nicht länger als 90 Tage in Brasilien aufhalten, einen Reisepass haben, der noch sechs Monate gültig ist und nicht beabsichtigen, in Brasilien zu arbeiten.

  • Arbeitsvisum: Ein Arbeitsvisum für Brasilien erhält man erst, wenn eine Arbeitserlaubnis vorliegt. Den Antrag auf eine Arbeitserlaubnis muss der zukünftige Arbeitgeber in Brasilien bei der Koordinationsstelle für Einwanderungsfragen im brasilianischen Arbeitsministerium („Coordenação Geral de Imigração do Ministério de Trabalho“) stellen. Nachdem die brasilianische Botschaft oder die konsularische Vertretung Brasiliens in Deutschland die Bestätigung der Arbeitserlaubnis erhalten hat, stellt sie das Visum gegen Vorlage des Visumsantrags aus. Daneben benötigt man einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss, eine Kopie der Geburtsurkunde sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Dieses darf nicht älter als drei Monate sein. Reisen Familienangehörige mit, sind auch eine eventuelle Heiratsurkunde oder Geburtsurkunden der Kinder vorzulegen. Nach Ankunft in Brasilien ist man verpflichtet, sich innerhalb von 30 Tagen bei der Bundespolizei („Polícia Federal“) zu melden und dort registrieren zu lassen.Unter bestimmten Bedingungen werden Dauervisa vergeben. Ein Dauervisum können zum Beispiel Rentner, Investoren, Direktoren/Manager, Wissenschaftler/Hochschullehrer oder hochqualifizierte Fachkräfte beantragen.
  • Dauervisum für Rentner:  Rentner erhalten ein Dauervisum für Brasilien, wenn sie nachweislich eine monatliche Rente von mindestens R$6.000 beziehen. Dies entspricht knapp 2000 Euro. Den Antrag auf ein Dauervisum stellt man bei der brasilianischen Botschaft in Berlin oder einem Konsulat. Neben einem gültigen Reisepass benötigt man die Rentenbescheinigung der deutschen Behörde und einen Nachweis der Bank, dass die Rente monatlich auf ein Konto überwiesen wird.
  • Dauervisum für Investoren: Investoren haben die Möglichkeit, ein Dauervisum zu bekommen, wenn sie mindestens R$ 150.000,00 (etwa 50.000 Euro) in ein bereits bestehendes oder neu zu gründendes Unternehmen investieren. Für die Erteilung des Dauervisums spielt auch eine Rolle, inwieweit das Unternehmen von gesellschaftlichem Interesse für Brasilien ist, zum Beispiel durch die Schaffung von Arbeitsplätzen.
  • Dauervisum für Hochschullehrer, Wissenschaftler und Fachkräfte: Für ein Dauervisum benötigen die Antragsteller den Nachweis einer öffentlichen Dienstverpflichtung oder eines Arbeitsvertrages, und dass die Tätigkeit länger als zwei Jahre ausgeübt werden soll.

Um die brasilianische Staatsbürgerschaft beantragen zu können, muss man sich nachweislich vier Jahre ununterbrochen im Land aufgehalten haben, die brasilianische Sprache beherrschen und einen Leumund angeben.

Weitere Informationen zu den Visabestimmungen erteilen die brasilianische Botschaft in Berlin sowie die Konsulate.

Der Umzug nach Brasilien: Worauf man alles achten muss

Der Umzug in ein anderes Land ist immer mit mehr Behördengängen und anderen Dingen verbunden, als ein Umzug im Inland. Vieles kann man schon vorab in Deutschland regeln. Anderes kann allerdings erst vor Ort in Brasilien in Angriff genommen werden.

Was man schon in Deutschland regeln kann:

  • Papiere:  Wer dauerhaft aus Deutschland wegzieht und sich in Brasilien festigt, muss sich beim Einwohnermeldeamt am vorherigen Wohnort in Deutschland abmelden. Für die Einreise in Brasilien benötigt man einen Reisepass mit einer Gültigkeit von mindestens sechs Monaten und ein Visum, wenn man sich länger als 90 Tage in Brasilien aufhält. In Brasilien gibt es keine Meldepflicht. Ausländer müssen sich allerdings spätestens 30 Tage nach Ankunft in Brasilien bei der örtlichen Stelle der brasilianischen Bundespolizei melden.

    Der deutsche bzw. internationale Führerschein ist in Brasilien gültig, wenn man nicht länger als 90 Tage bleibt. Bei einem Aufenthalt über 90 Tage muss man den deutschen Führerschein in einen portugiesischen umschreiben lassen. Hierfür ist die örtliche Stelle des „Departamento de Trânsito“ (DETRAN) zuständig.

  • Rente und Altersvorsorge: Seit 2013 besteht zwischen Deutschland und Brasilien ein Sozialversicherungsabkommen. Damit erkennen die beiden Länder die Rentenansprüche des jeweils anderen Landes an. Weitere Informationen erteilt die Deutsche Rentenversicherung. In Brasilien gibt es zwei Rentensysteme: das Allgemeine Sozialversicherungssystem für die Beschäftigten des privaten Sektors (Regime Geral de

    Prêvidencia Social – RGPS) und die Sondersysteme für die Bediensteten im öffentlichen Dienst (Regimes Próporios de Prêvidencia Social – RPP). Zusätzlich besteht noch ein Sondersystem für Militärangehörige sowie die Möglichkeit der privaten Zusatzrentenversicherung. Das Militärrentensystem und das private Zusatzrentensystem sind nicht vom Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Brasilien abgedeckt.

  • Wenn der Hausrat mit auswandern soll: Will man sein gesamtes Mobiliar mit nach Brasilien nehmen, ist der Umzug mit einer erfahrenen internationalen Spedition zu empfehlen. Über die Einfuhrbestimmungen in Brasilien informiert die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer.

Was in Brasilien geregelt werden muss:

  • Wohnungssuche:  Die Mietpreise für Wohnungen sind in Brasilien sehr unterschiedlich, je nach Lage und Ausstattung der Wohnungen. Insbesondere in den Metropolen wie Rio de Janeiro und São Paulo sollte man auf die zum Teil großen Entfernungen und chaotischen Verkehrszustände achten, wenn man eine Wohnung mietet. Entfernungen zum Arbeitsplatz, Kindergarten oder Schule sollten berücksichtigt werden. Bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus ist zu empfehlen, bekannte Tageszeitungen zu durchstöbern oder sich von einem Makler unterstützen lassen.
  • Eine Steuerkarte in Brasilien beantragen: Wer in Brasilien lebt und arbeitet muss beim Finanzamt eine CPF-Nummer („Cadastro de Pessoas Físicas“) beantragen. Eine CPF-Nummer besitzt jeder Brasilianer und in Brasilien lebende Ausländer. Man braucht die Nummer unter anderem bei den brasilianischen Behörden, wenn man einen Mietvertrag unterschreiben oder ein Bankkonto eröffnen möchte.
  • Einrichtung eines Bankkontos:  Um in Brasilien ein Bankkonto eröffnen zu können, benötigt man ein Visum mit einer Gültigkeit von mindestens sechs Monaten oder eine Arbeitserlaubnis und eine CPF-Nummer.
  • Krankenversicherung: In Brasilien gibt es ein staatliches Krankenversicherungssystem, das alle Bürger Brasiliens kostenlos in Anspruch nehmen können. Allerdings werden über die staatliche Krankenversicherung nur die grundlegendsten Leistungen abgedeckt. Deshalb empfiehlt es sich, zusätzlich eine private Krankenversicherung abzuschließen. Zum Teil bieten die Arbeitgeber in Brasilien ihren Beschäftigten eine private Zusatzkrankenversicherung an. Eventuell kommt auch eine Auslandskrankenversicherung in Frage. Diese muss man allerdings abschließen solange man noch einen Wohnsitz in Deutschland hat, und ist höchstens fünf Jahre gültig. Bleibt man länger als fünf Jahre in Brasilien, ist dort eine private Zusatzversicherung abzuschließen.
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