Firmengründung in der Schweiz

Firmengründung in der Schweiz

Die Schweiz ist kein Mitgliedsland der Europäischen Union. Staatsangehörige eines Mitgliedslandes der Europäischen Union genießen jedoch uneingeschränkte Personenfreizügigkeit in der Schweiz. Sie dürfen sich in der Schweiz aufhalten, dort arbeiten und ein Unternehmen gründen. Als Unternehmer erhält man in der Schweiz eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung, wenn man eine dauerhaft ausgeübte selbstständige Tätigkeit nachweist, mit der man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Eine Firmengründung läuft in der Schweiz relativ problemlos ab. Trotzdem will sie gut geplant sein. Verschiedene Faktoren, wie die Wahl der geeigneten Rechtsform des Unternehmens, spielen hierbei eine Rolle.

Rechtsform des Unternehmens

Jeder Unternehmer kann in der Schweiz die Rechtsform seines Unternehmens frei wählen. Für welche Rechtsform man sich entscheidet, hängt von mehreren Aspekten ab, wie der Art des Unternehmens oder den rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. Bevor man sich für eine Rechtsform des Unternehmens entscheidet, sollte man sich mit den rechtlichen Bedingungen in der Schweiz vertraut machen.

In der Schweiz werden folgende Rechtsformen von Unternehmen unterschieden:

  1. Personengesellschaftena) Einzelunternehmen: Die Gründung eines Einzelunternehmens, auch Einzel-Start-Up genannt, ist die einfachste und preiswerteste Form der Firmengründung in der Schweiz. Wer ein Einzelunternehmen in der Schweiz gründen möchte, benötigt keine offizielle Genehmigung für die Aufnahme der Gewerbetätigkeit. Bei einem jährlichen Einkommen von über CHF 100.000 (ca. 80.000 Euro) muss der Unternehmer sein Unternehmen ins Handelsregister eintragen lassen.b) Kommanditgesellschaft (KommG): Die Kommanditgesellschaft besteht aus zwei Gesellschaftsgruppen, den Komplementären (Arbeitskraft) und den Kommanditären (Kapital). Die Kommanditgesellschaft kommt in der Schweiz nur selten vor und ist zumeist lediglich bei traditionsreichen Familienunternehmen zu finden.c) Kollektivgesellschaft (KollG): Bei der Kollektivgesellschaft finden sich Arbeitskraft, Kapital und Kredit zusammen. Früher war die Kollektivgesellschaft die gewählte Rechtsform von Klein- und Mittelbetrieben. Heute wird sie ähnlich der Kommanditgesellschaft vor allem von traditionsreichen Familienunternehmen gewählt.
  1. Kapitalgesellschaftena) Aktiengesellschaft (AG) An einer Aktiengesellschaft können sich Gesellschafter anonym beteiligen und nicht persönlich haftbar gemacht werden. Die Aktiengesellschaft muss ins Handelsregister eingetragen werden, da sonst die Aktien nicht ausgegeben werden dürfen. Das Gründungskapital muss mindestens CHF 100.000 betragen.b) Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Im Gegensatz zur Aktiengesellschaft müssen sich die Gesellschafter der GmbH ins Handelsregister eintragen. Gesellschafter können also nicht anonym bleiben. Das Gründungskapital muss mindestens CHF 20.000 (ca. 17.000 Euro) betragen.

Wie man bei einer Firmengründung in der Schweiz vorgeht

Die Gründung einer Firma in der Schweiz dauert etwa zwei bis vier Wochen. Anmeldungen von Personengesellschaften können beim Staatssekretariat für Wirtschaft über das KMU-Portal online vollzogen werden. Für Kapitalgesellschaften ist dies bisher nicht möglich. Die meisten Unternehmen in der Schweiz müssen in das Handelsregister eingetragen werden. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgt beim Handelsregisteramt und ist sowohl für Personengesellschaften als auch für Kapitalgesellschaften online möglich. Nähere Informationen erteilen die Handelsregisterämter des entsprechenden Kantons. Vom Registerführer des Handelsregisters wird geprüft, ob der Firmenname den rechtlichen Vorschriften entspricht, und es nicht bereits ein Unternehmen in der Schweiz gibt, das diesen Namen trägt. Mit der Eintragung ins Handelsregister sind Kosten verbunden. Wie hoch die Kosten sind, hängt von der Rechtsform des Unternehmens ab. Die Handelsregistergebühren betragen für ein Einzelunternehmen CHF 120, für eine Kollektivgesellschaft CHF 240, für eine Kommanditgesellschaft CHF 600, für eine Aktiengesellschaft CHF 600 und für ein GmbH CHF 600. Beträgt das Grundkapital der Aktiengesellschaft oder der GmbH über CHF 200.000 fällt die Grundgebühr höher aus.

Steuern in der Schweiz

Die zu zahlende Steuerart hängt von der Rechtsform des Unternehmens ab. Personengesellschaften zahlen Einkommens- und Vermögenssteuer, Kapitalgesellschaften zahlen Gewinn- und Kapitalsteuer. Bei einem jährlich Umsatz von mehr als CHF 100.000 muss der Unternehmer Mehrwertsteuer zahlen. Spätestens 30 Tage nach Beginn der Steuerpflicht ist der Unternehmer verpflichtet, sich bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) zu melden. Wer nicht sicher ist, ob er Mehrwertsteuer zu zahlen hat, kann dies anhand eines Online-Fragebogens der ESTV herausfinden. Die Anmeldung bei der ESTV ist ebenfalls online möglich.

Die Höhe der Steuern ist in der Schweiz von Kanton zu Kanton unterschiedlich und sollte aus deisem Grund bei der Standortwahl des Unternehmens eine Rolle spielen.

Sozialversicherungen

Wer in der Schweiz ein Unternehmen gründet, muss sich auch um Versicherungen kümmern. Dies sind:

  • Sozialversicherungen für sich selbst und eventuelle Mitarbeiter sowie
  • Betriebsversicherungen

Gründer von Personengesellschaften gelten als selbstständig Erwerbende und müssen selbst für Ihre Vorsorge sorgen.

Gründer von Kapitalgesellschaften gelten als Unternehmer und als Angestellte. Dies bedeutet, dass die meisten Versicherungen Pflichtversicherungen sind.

Das Sozialversicherungssystem besteht in der Schweiz aus drei Säulen:

  • der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), der Invalidenversicherung (IV) und der Erwerbsersatzordnung (EO)
  • der Pensionskasse (BVG)
  • der privaten Vorsorge

Zusätzlich müssen Arbeitgeber ihre Angestellten bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) anmelden.

Die Handelskammer Deutschland-Schweiz bietet neben den zuständigen Behörden in der Schweiz Informationen und Hilfestellung für deutsche Firmengründer in der Schweiz.

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