In Kanada leben und arbeiten

In Kanada leben und arbeiten

Tipps für Auswanderer

Kanada ist ein beliebtes Land für Auswanderer. Dies hat zum einen damit zu tun, dass Kanada zu den Ländern auf der Welt mit der besten Lebensqualität zählt. Zum anderen verfügt Kanada über eine sehr abwechslungsreiche Natur mit atemberaubenden Landschaften. Die Lebenshaltungskosten in Kanada sind mit denen in Deutschland vergleichbar. In den großen Städten können sie etwas höher ausfallen, in den ländlichen abgelegeneren Gebieten sind sie dafür wieder niedriger. Insgesamt sind die Mieten in Kanada höher als in Deutschland. Wer es sich leisten kann, sollte deshalb lieber eine Wohnung oder ein Haus kaufen, als zu mieten. Kanada hat zwei Amtssprachen: Englisch und Französisch. Um nach Kanada auszuwandern, sollte man zumindest des Englischen in Wort und Schrift mächtig sein. Wer in die Provinz Quebec auswandern möchte, sollte auch Französisch beherrschen.

Für wen eignet sich Kanada als Auswanderungsland?

Kanada als Auswanderungsland ist vor allem für Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich und Handwerker, sogenannte „skilled worker“ sowie Hochschulabsolventen interessant. Deutsche haben in Kanada als Arbeitskräfte eine guten Ruf und somit aussichtsreiche Chancen auf dem kanadischen Arbeitsmarkt.

Besonders gefragt sind in Kanada folgende Berufsgruppen:

  • Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger
  • Handwerker, z.B. Schlosser, Tischler, Maurer und Elektriker
  • Bauleiter
  • Ingenieure
  • IT-Spezialisten
  • LKW-Fahrer
  • Berufserfahrene aus dem Hotelerie- und Gastronomiegewerbe

Insbesondere in den ländlichen Gegenden sind in Kanada Fachkräfte, wie Handwerker und medizinisches Personal, oft Mangelware. Dort werden „skilled worker“ händeringend gesucht. Deshalb erleichtert die kanadische Einwanderungsbehörde, „Citizenship and Immigration Canada“ (CIC) – das Ministerium für Staatsangehörigkeit und Einwanderung – für Personen aus diesen Berufsgruppen die Einwanderung. Die Einwanderungsbehörde hat für die sogenannten „skilled worker and professionals“ ein Punktesystem entwickelt, anhand dessen die Eignung eines potenziellen Einwanderers ermittelt wird. Eine Übersicht der in Kanada bevorzugt behandelten Berufsgruppen ist auf der Priority Occupation List (POL) zu finden. Weitere Informationen zu Visa- und Einwanderungsbestimmungen erteilen die Kanadische Botschaft in Berlin sowie die Konsulate in Düsseldorf, Stuttgart und München.

Voraussetzungen für ein unbegrenztes Visum

Um in Kanada uneingeschränkt leben und arbeiten zu können, benötigt man eine Arbeitserlaubnis und eine Aufenthaltsgenehmigung, also einen „Permanent Residence Status“. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den „Permanent Residence Status“ zu erlangen:

  • aufgrund einer Familienzusammenführung: Eltern, Großeltern, Kinder oder Ehepartner eines kanadischen Staatsbürgers, der in Kanada lebt, können einen „Permanent Residence Status“ bekommen, wenn der kanadische Staatsbürger eine Bürgschaft für sie übernimmt. Dies bedeutet, dass er ein bestimmtes Einkommen nachweisen können und die Bürgschaft für mindestes zehn Jahre gelten muss.
  • wenn man in Kanada investieren möchte: Selbstständige erhalten in Kanada einen „Permanent Residence Status“, wenn sie in Kanada investieren oder ein Unternehmen gründen möchten. Hierzu müssen sie über ausreichend Kapital verfügen und nachweisen, dass sie bereits erfolgreich als Unternehmer tätig waren. Darüber hinaus wird von ihnen erwartet, dass sie Arbeitsplätze schaffen und bereit sind, gemeinnützig, im Sport oder im kulturellen Bereich, tätig zu sein.
  • als Provincial Nominee:  Die Einwanderungsbestimmungen sind in Kanada nicht nur national geregelt. Einzelne Provinzen haben ihre eigenen Einwanderungsprogramme. Hierbei geht es wie bei dem „skilled worker and professionals“-Programm insbesondere um Facharbeiter, die in bestimmten Provinzen besonders gesucht werden.
  • skilled Workers Class Immigration: Hierbei handelt es sich um das „skilled worker and professionals“-Programm, das anhand eines Punktesystems die Einwanderungstauglichkeit ermittelt. Dies ist für die meisten Deutschen der wahrscheinlichste Weg, um einen „Permanent Residence Status“ in Kanada zu erlangen. Das Punktesystem soll die Wahrscheinlichkeit berechnen, ob der potenzielle Einwanderer sich in Kanada wirklich ein neues Leben aufbauen kann.

Das skilled worker and professionals-Programm

Das Punktesystem des „skilled worker and professionals“-Programm setzt sich aus verschiedenen Kategorien zusammen. Für jede Kategorie gibt es eine maximale Punktezahl. Um für einen „Permanent Residence Status“ in Frage zu kommen, muss der Bewerber mindestens 67 Punkte erlangen. Zu den Kategorien zählen unter anderem: Sprachkenntnisse in Englisch und/oder Französisch, die Arbeitserfahrung und berufliche Qualifikation, das Alter oder der Familienstand.

Neben dem Punktesystem gib es noch weitere Faktoren, die erfüllt werden müssen:

  • Nachweis einer mindestens einjährigen Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung in den letzten zehn Jahren in einem der Berufe auf der POL.
  • polizeiliches Führungszeugnis
  • Nachweis eines Jobangebots in Kanada. Dies gilt insbesondere für Auswanderer, deren Beruf nicht auf der POL steht.
  • Nachweis finanzieller Rücklagen von etwa  CAD $10.000 für einzelne Einwanderer oder etwa CAD $19.000 für eine Familie mit zwei Kindern.

Wer die Mindestanforderungen an die Berufserfahrung und/oder berufliche Qualifikation nicht erfüllt, bekommt keinen „Permanent Residence Status“ unabhängig davon, wie gut er bei den anderen Kategorien abschneidet.

Drei Jahre nach Ausstellung des „Permanent Residence Status“ ist es möglich, die kanadische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

Der Umzug nach Kanada: Worauf man alles achten muss

Ein Umzug nach Kanada will gut geplant sein. Viele Dinge können schon vorab von Deutschland aus geregelt werden. Andere wiederum muss der Auswanderer vor Ort in Kanada vornehmen.

Was man schon in Deutschland regeln kann:

  • Papiere: Wenn man nach Kanada auswandert, sollte man sich beim zuständigen Einwohnermeldeamt in Deutschland abmelden. Die Abmeldebestätigung ist ein wichtiges Dokument, damit man, wenn man zum Beispiel einen neuen Reisepass braucht, diesen bei der deutschen Vertretung in Kanada beantragen kann.   Daneben benötigt man einen gültigen Reisepass und Personalausweis. Auch andere Dokumente, wie Geburtsurkunde oder Heiratsurkunde, sollten bei den kanadischen Behörden vorgelegt werden können. Den deutschen Führerschein darf man nur zu anfangs für eine begrenzte Zeit verwenden. Am besten man besorgt sich schon vor der Reise nach Kanada zusätzlich einen internationalen Führerschein. Den deutschen Führerschein kann man dann später vor Ort in einen kanadischen Führerschein umtauschen.
  • Rente und Altersvorsorge: Zwischen Deutschland und Kanada bestehen zwei Sozialversicherungsabkommen: eines mit der Provinz Quebec, die ein eigenes Rentenversicherungssystem besitzt und eines mit dem restlichen Staatsgebiet Kanadas. Die Sozialversicherungsabkommen gewährleisten, dass die beiden Länder die Rentenansprüche aus dem jeweils anderen Land anerkennen und anrechnen. Man sollte sich vor der Auswanderung trotzdem mit der Deutschen Rentenversicherung in Verbindung setzen, um sich über die tatsächlichen Rentenansprüche zu informieren und zu klären, ob noch Rentenversicherungsnachweise erbracht werden müssen.

    Neben der in Deutschland üblichen Pension und der Privatrente gibt es in Kanada noch die „Old Age Security“ (OAS). Dies ist eine gesetzliche Rente, die jedem Arbeitnehmer, auch Einwanderern, ab dem 65. Lebensjahr zusteht. Einwanderer erhalten die Rente anteilig anhand der bis zum 65. Lebensjahr verbrachten Jahre in Kanada.

  • Wenn der Hausrat mit auswandern soll: Möchte man sein Hab und Gut aus Deutschland nach Kanada mitnehmen, sollte man eine Spedition beauftragen, die den Hausrat per Schiff transportiert. Am günstigsten ist es, wenn man einen „door to door“-Service bucht. Dieser liefert die Fracht vom Hafen bis zum neuen Heim in Kanada. Allerdings muss man bei der Verzollung bei Ankunft im kanadischen Hafen persönlich anwesend sein. Die Einfuhrbestimmungen sind in Kanada sehr streng. Die Canada Border Services Agency informiert über Gegenstände, die nicht eingeführt werden dürfen und die Zollgebühren.

Was in Kanada geregelt werden muss:

  • Wohnungssuche: Die Wohnungssuche sollte man direkt vor Ort in Kanada vornehmen. Da es in Kanada eher üblich ist, Häuser oder Wohnungen zu kaufen als zu mieten, ist der Immobilienmarkt für diese Objekte entsprechend größer. Angebote sind in Lokalzeitungen, an Schwarzen Brettern in öffentlichen Gebäuden, in Waschsalons, Supermärkten oder in kostenlosen Zeitschriften zu finden. Auch im Internet werden Immobilien angeboten, zum Beispiel bei „A Place in the Sun“ oder bei „ReMax“. Man kann natürlich auch einen Makler beauftragen, das Passende zu suchen.
  • Beantragung der Social Insurance Number (SIN): Wenn man in Kanada arbeiten möchte, braucht man eine Social Insurance Number (SIN), die man bei den zuständigen Behörden in Kanada beantragt. Einwanderern mit „Permanent Residence Status“ stehen alle Sozialleistungen zu, die auch Kanadier in Anspruch nehmen können, wie zum Beispiel: Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Kindergeld oder Altersversorgung. Die Bedingungen und Höhe der auszuzahlenden Beträge können von Provinz zu Provinz und manchmal sogar von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich sein.
  • Einrichtung eines Bankkontos: Das Bankensystem in Kanada ist sehr übersichtlich. Wenn man als Einwanderer ein Konto eröffnen möchte, wird neben den sonst auch üblichen zwei Identifikationsdokumenten (z.B. Personalausweis, Sozialversicherungskarte oder Führerschein) sowie einem Adressnachweis (Stromrechnung oder Wasserrechnung) noch die Vorlage eines Arbeitsvertrages verlangt.
  • Krankenversicherung: In Kanada gibt es das staatliche Gesundheitssystem „Medicare“. Über Medicare sind alle Staatsbürger Kanadas sowie Einwanderer mit „Permanent Residence Status“ versichert. Medicare finanziert sich über Steuern. Es sind also keine Krankenkassenbeiträge, außer in den Provinzen Alberta und British Columbia, fällig. Allerdings sind die Leistungen von Medicare begrenzt. Daher haben die meisten Kanadier neben Medicare eine zusätzliche Krankenversicherung über ihren Arbeitgeber und/oder eine private Krankenversicherung.
Share This