LLM im Ausland – der Karrierekick für deutsche Juristen

LLM im Ausland – der Karrierekick für deutsche Juristen

Was der MBA (Master of Business Administration) für Wirtschaftswissenschaftler ist, ist der LLM (Master of Laws) für Studenten der rechtswissenschaftlichen Studiengänge. Aufgrund der hohen Anzahl rechtswissenschaftlicher Absolventen ist der Arbeitsmarkt für Rechtswissenschaften heiß umkämpft. Vor allem international tätige Kanzleien sind stark gefragt. Dann müssen Rechtswissenschaftler mehr vorweisen, als nur ein gutes Examen. Zusatzqualifikationen müssen her, um sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen. Dazu gehören die Promotion und der Master of Laws (LLM).

Was ist der LLM?

Der LLM ist ein postgraduales juristisches Aufbaustudium, das sich bevorzugt an Studenten von Studiengängen der Rechtswissenschaften mit einem Bachelor- Abschluss, dem ersten Staatsexamen oder zweiten Staatsexamen richtet. Das Aufbaustudium ist auch nach dem zweiten Staatsexamen oder während der beruflichen Tätigkeit möglich.

Wie auch beim MBA variiert der LLM. Das heißt, es können auch Absolventen anderer Studiengänge diesen Abschluss erwerben. Der Master of Business Law and Economic Law (LLMoec.) kann beispielsweise auch von Wirtschaftswissenschaftler erworben werden. Auch Politikwissenschaftler kommen in den Genuss des Vorteils eines LLM.

Während der Master of Laws in den englischsprachigen Ländern bereits seit Jahren etabliert ist, erfreut er sich in Deutschland erst seit einem Jahrzehnt. Aufgrund der stärkeren Etablierung im Ausland, gehen viele deutsche Absolventen der Rechtswissenschaften zum Studium nach Großbritannien, in die USA oder nach Australien.

Auch die besseren Karrierechancen ziehen die Absolventen ins Ausland. Viele Arbeitgeber bevorzugen Bewerber mit einem ausländischen LLM-Abschluss. Vor allem große Kanzleien und international agierende Unternehmen schätzen diesen Abschluss, da die Absolventen Fähigkeiten wie interkulturelle Kompetenzen, herausragende Englischkenntnisse und Rechtskenntnisse im Ausland mitbringen. Darüber hinaus beweisen die Absolventen mit dem Abschluss im Ausland eine hohe Flexibilität und Einsatzbereitschaft, die sie in ihre spätere berufliche Tätigkeit einfließen lassen können.

Eine Einschränkung für Juristen gibt es. Rechtswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Steuerrecht sollten den Master of Laws in Deutschland machen. Nur so erwerben die Absolventen die nötigen Kenntnisse im deutschen Steuerrecht.

Bewerbung für den LLM

Aufgrund der langen Bearbeitungszeit sollte die Bewerbung für einen Studienplatz bereits ein Jahr vor dem geplanten Studienbeginn erfolgen. Dazu benötigen die Universitäten das Abiturzeugnis, ein Motivationsschreiben (Begründung für die Bewerbung – oft in Form eines Essays), Empfehlungsschreiben von einer Respektperson (Professor oder Dozenten, bei denen Seminar- oder Abschlussarbeiten geschrieben wurden), den Lebenslauf, Hochschulzeugnis und Sprachnachweise wie dem IELTS oder dem TOEFL. Bei einem Studium in den USA können zusätzliche Qualifizierungstests notwendig sein. Da jede Universität anders vorgeht, sollten sich Studieninteressierte vorab bei der Hochschule über die Zulassungsbedingungen der jeweiligen Universität informieren.

Ganz wichtig sind die Nachweise der Leistungen, die bereits im Rahmen des Studiums erbracht worden sind. Dazu gehören auch sprachliche Leistungen, die bisher erzielt wurden.

Die Vorbereitungen schließen jedoch nicht nur die Bewerbung an der Wunsch-Universität ein. Auch essentielle Dinge, wie eine Auslandskrankenversicherung, Wohnung, Anreise, Abreise, Kreditkarten, die Besorgung des internationalen Studentenausweises, Telefone oder zusätzliche Sprachkurse müssen organisiert werden. Unterkünfte sind oft über die Universitäten erhältlich.

Finanzierung des Master of Laws

Auslandsstudien sind teuer. An den Kosten scheitern oft nicht nur die einheimischen Studenten, die sich häufig für ihr Studium hoch verschulden müssen. Grund dafür sind die hohen Studiengebühren der Universitäten und die enormen Lebenshaltungskosten in den Universitätsstädten. Die Kosten liegen in Großbritannien im vierstelligen Bereich. In den USA kommen sogar Summen im fünfstelligen Bereich zusammen. Zusätzlich kommen noch die Lebenshaltungskosten wie Miete und Lebensmittel dazu.

Absolventen können versuchen, sich das Studium über ein Stipendium zu finanzieren. Das können Stipendien der Fulbright Kommission, des DAAD und privater Stiftungen sein. Auch Bildungskredite, Begabtenförderungen oder Auszahlungen aus Bildungsfonds kommen in Frage. Sollten alle Finanzierungsmöglichkeiten nicht funktionieren, bleibt noch die Aufnahme eines Privatkredits als Möglichkeit. Unter Umständen gewähren die Banken auch einen Studienkredit zu günstigeren Konditionen.

Die Aufnahme einer beruflichen Nebentätigkeit wird nicht empfohlen. Oft sind die Anforderungen an die Studenten so hoch und zeitraubend, dass keine Zeit und Energie für eine Nebentätigkeit bleibt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Studienbeginn?

Viele Juristen machen den Master of Laws nach dem ersten bzw. zweiten Staatsexamen. Einige beginnen erst nach einigen Jahren der Berufstätigkeit mit dem Aufbaustudium. Ein berufsbegleitender Abschluss ist also möglich.

Eine Regelung über den Zeitpunkt des Studienbeginns existiert nicht. Das Aufbaustudium ist erst nach dem ersten Staatsexamen möglich.

Einige Studenten nutzen den Master of Laws als Überbrückung zwischen dem Studium und dem Referendariat. So können unschöne Lücken im Lebenslauf geschlossen werden.

Für ein Aufbaustudium nach dem Referendariat sprechen die vielfältigen Möglichkeiten der Spezialisierung während des Master of Laws. Viele Studenten legen sich aber erst nach dem Referendariat fest, sodass oft bereits das zweite Staatsexamen abgeschlossen wurde, bevor das LLM-Studium von den Studenten in Angriff genommen wird. Außerdem haben Studenten zu diesem Zeitpunkt oft eine höhere Chance auf ein renommiertes Programm. Das wirkt sich positiv auf die spätere Karriere aus. Je renommierter das LLM-Programm und der LLM-Abschluss sind, desto beliebter sind die Bewerber in großen Kanzleien und Unternehmen. Der LLM-Abschluss lohnt sich in jeden Fall für Juristen, die eine Karriere in großen Kanzleien und internationalen Unternehmen anstreben.

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