Übersetzungsunternehmen gründen – das sollten Sie beachten

Übersetzungsunternehmen gründen – das sollten Sie beachten

Der Traum vom eigenen Übersetzungsunternehmen ist geboren – nur an der Umsetzung hapert es noch? Im Gegensatz zu anderen Berufen ist es bei dieser Unternehmensgründung nicht zwingend notwendig, über Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen. Viele Eigentümer von Übersetzungsunternehmen kommen aus völlig anderen Bereichen, die mit Fremdsprachen nicht viel gemein haben. Neben Elektrikern und Physiotherapeuten finden sich auch Kindergärtnerinnen unter den Besitzern von Übersetzungsunternehmen. Eine Gründung kann also nicht allzu schwierig sein.

Das Konzept erstellen

Übersetzungsunternehmen gibt es in Deutschland wie Sand am Meer. Wer dann aus der Masse hervorstechen möchte, braucht ein gutes Konzept. Es genügt nicht, einfach nur Übersetzungen an Übersetzer vermitteln zu wollen.

Bevor eine Gründung also ins Haus steht, ist das Brainstorming angesagt. In diesem Brainstorming sollten sich folgende Fragen gestellt werden:

  1. Was kann ich, was andere Übersetzungsunternehmen nicht können? Was ist mein Alleinstellungsmerkmal?
  2. Welche Sprachen möchte ich anbieten?
  3. Weiß ich, wo ich Übersetzer und Kunden finde?
  4. Wie finde ich meine Kunden?
  5. Wer sind meine Kunden?
  6. Kann ich diese Gründung finanzieren?
  7. Welche Software benötige ich? Bin ich auf dem neuesten Stand der Technik?
  8. Wie garantiere ich die Datensicherheit meiner Kunden?
  9. Wie soll meine Corporate Identity sein?

Steht das Konzept kann es schon fast an die Gründung gehen. Ideal ist ein Zeitplan, anhand dessen, die Gründung abgearbeitet wird.

Die Finanzierung

Der Vorteil eines Übersetzungsunternehmens ist der geringe Finanzierungsbedarf. Wer allein – ohne Angestellte – gründet, kommt mit einer Einzelplatzlizenz der gängigen Übersetzungssoftware, einem gemieteten Server, einem Computer, den Kosten für das Marketing und gegebenenfalls der Vorkasse für neue Übersetzer aus. Summa summarum handelt es sich dabei um Beträge um die 15.000 Euro.

Diese Gründungskosten können bei einem überzeugenden Businessplan und einer schlüssigen Rentabilitätsvorschau über die Hausbank oder die KfW-Bank beantragt werden.

Das Büro

Ein Büro ist gerade in der Anfangszeit für ein Übersetzungsunternehmen nicht zwingend notwendig. Nur selten verirren sich Kunden in ein Übersetzungsunternehmen. Und wenn doch, handelt es sich um Privatkunden, die ihre Geburtsurkunden oder Zeugnisse übersetzen lassen möchten.

Es ist durchaus möglich, vorerst ein virtuelles Büro zu besitzen. Das kann dann das heimische Arbeitszimmer sein. So werden die Kosten für eine teure Büro-Miete gespart.

Die Ausstattung

Ein Übersetzungsunternehmen arbeitet nicht mehr mit Wörterbüchern. Inzwischen sind sogenannte Übersetzungstools gang und gäbe. Mithilfe dieser Tools werden die zu übersetzenden Dokumente analysiert und übersetzt. Dabei werden Segmente für die Übersetzung angelegt und abgespeichert. Zirka 80 % aller Übersetzungsunternehmen und Übersetzer arbeiten mit SDL Studio.

Diese Software ist nicht billig.  Hier kostet eine Lizenz für die professionelle Version etwas 2.600 Euro. Nicht wenig für eine Software.

Dazu kommt die Datensicherheit, die gerade bei Übersetzungsunternehmen eine große Rolle spielt. Schließlich werden Bedienungsanleitungen und Dokumentationen neuer Maschinen und Produkte hin- und hergeschickt. Ein interner Server ist hier optimal. Bei virtuellen Büros ist dies jedoch kaum möglich. Hier kann ein gemieteter Server die Lösung sein.

Telefon und Computer sind selbstverständlich. Auch ein Drucker sollte sich in einem Übersetzungsunternehmen befinden.

Unter Umständen können noch Kosten für DTP-Software wie Indesign oder Framemaker hinzukommen. Wichtig ist in jedem Fall eine gute PDF-Software und Microsoft Office.

Das Marketing

Das Briefpapier, die Imagebroschüre und die Visitenkarten sind das Aushängeschild eines Unternehmens. Innerhalb von 20 Sekunden entscheidet der potenzielle Kunde, ob er interessiert ist oder nicht. D. h. es sollte Geld in eine Werbeagentur für das Corporate Design investiert werden.

Gemeinsam mit der Werbeagentur wird eine Corporate Identity geschaffen und darauf aufbauend die Homepage und alle weiteren Hilfsmittel wie Briefpapier und Visitenkarten entwickelt.

Wer sind meine Kunden und wo finde ich sie?

Das Wissen um die Zielgruppe ist bereits die halbe Miete. Wer ziellos um Kunden wirbt, wird keinen Erfolg haben. Daher ist es sinnvoll, sich bereits vor der Gründung Gedanken über die Zielgruppe und die passende Marketing-Strategie zu machen.

  1. Bewegen sich die Übersetzungen eher im Bereich Marketing? Dann sind eher PR-Abteilungen und Werbeagenturen die Zielgruppe.
  2. Das Angebot beruht auf der Übersetzung von Urkunden und Verträgen? Dann sind eher Anwaltskanzleien, Behörden und Notare die Zielgruppe.
  3. Es sollten Dokumentationen und Anleitungen übersetzt werden? In diesem Fall sind Maschinen und Anlagen erzeugende Unternehmen die idealen Ansprechpartner.

Die Kundenakquise

Die Kundenakquise stellt den schwierigsten Teil bei Unternehmensgründungen dar. Nicht jeder telefoniert bei einem ersten Kontakt gern. Zu hoch ist die Hemmschwelle, zu stören. Hier hilft es nur, den inneren Schweinehund zu überwinden und den potenziellen Kunden anzurufen. Die richtige Vorbereitung ist das A und O.

Mit einem Satz müssen das Konzept bzw. die Vorstellung dem Kunden unterbreitet werden. Ebenfalls wichtig sind die richtigen Argumente auf Einwände. Ideal ist ein Übungsgespräch mit einem Freund, bei dem alle möglichen Einwände geübt werden.

Absolut verboten sind unerwünschte Werbemails. Werbemails dürfen nur verschickt werden, wenn der Kunde vorher ausdrücklich die Zusendung erlaubt hat.

Eine weitere Möglichkeit ist die Profilierung als Experte. Das können Fachartikel in Fachzeitschriften und in Expertenforen sein. Mit diesem Expertenstatus kommen die Kunden von allein ins Unternehmen.

 

 

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