Freemover

Freemover

Ohne Auslandsamt im Ausland studieren

Nicht immer kann das Auslandsstudium über den beliebten Erasmus finanziert werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Meistens werden die Zugangsbedingungen nicht erfüllt.

Wer trotzdem nicht aufs Auslandsstudium verzichten möchte, kann sein Glück als sogenannter Freemover probieren. Freemover sind Studenten, die unabhängig von den Kooperationsverträgen der Universität, an die sie eingeschrieben sind, ihr Auslandsstudium als Gaststudent organisieren.

Vorteile und Nachteile als Freemover

Die Vorteile sprechen für sich. Als Freemover kann der Student seine Wunschuniversität aussuchen und ist nicht auf die Universitäten gebunden, mit denen die eigene Universität Kooperationsverträge hat. Dafür hat er natürlich den höheren organisatorischen Aufwand. Er muss sich selbst seine Wunsch-Universität raussuchen und sich selbstständig an ihr bewerben. Da die Unterlagen fremdsprachlich sind, muss er sich außerdem durch die Formulare in der Fremdsprache kämpfen und gegebenenfalls alle Studiennachweise übersetzen lassen.

Ebenfalls aufwendig ist die eigenständige Zusammenstellung der Kurse, die während des Auslandsstudiums belegt werden sollen. Darüber hinaus müssen diese Kurse mit der eigenen Universität abgesprochen werden, damit sie anerkannt werden und nicht im Heimatland wiederholt werden müssen.

Auch die Unterkunft muss selbstständig organisiert werden. Während Erasmus-Studenten häufig untergebracht werden, müssen Freemover allein für das Dach über dem Kopf sorgen.

Erschwerend kommen die Studiengebühren hinzu, die von Freemovern im vollen Umfang getragen werden müssen. Erasmus-Studenten kommen häufig in den Genuss des Erlasses der Studiengebühren. Für Freemover bedeutet das erhebliche Zusatzkosten, die leicht mit 11.000 Euro pro Studienjahr beispielsweise in England zu Buche schlagen können.

Unterstützung als Freemover

Es gibt Hilfe für Freemover. Verschiedene Organisationen unterstützen Freemover bei der Organisation ihres Auslandsstudiums. Sie helfen bei der Wahl des Landes und bei der Bewerbung an der gewünschten Universität.

  1. College Contact -> Angebot einer kostenlosen Beratung und Unterstützung bei der Bewerbung
  2. Academic Embassy -> kostenlose Unterstützung bei der Bewerbung an Partnerhochschulen und Beratung (Partner vieler Universitäten in Südafrika, USA und Kanada
  3. Ranke-Heinemann-Institut -> Unterstützung bei Auslandsstudium in Neuseeland und Australien
  4. NAC (Industrial Networking & Academic Communications) -> Übernahme der Korrespondenz während der gesamten Bewerbung für Studierende aus Österreich, Deutschland und der Schweiz; zusätzliche Betreuung der Studierenden durch die INAC-Community (besteht aus Studenten, die sich selbst gerade im Ausland befinden oder bereits ein Auslandssemester über die Organisation absolviert haben)
  5. GOzealand!/GOstralia! -> kostenlose Beratung und Hilfe bei Bewerbungen und Vergabe von Vollstipendien über GOstralia!
  6. CollegeCouncil -> Beratung der Studenten zur Hochschulwahl in Kanada und den USA und Unterstützung bei Bewerbungen
  7. Asia Exchange -> Repräsentant mehrere asiatischer Universitäten und Angebot eines Auslandssemesters
  8. IIAPS -> Repräsentant ausgewählter Universitäten in Japan, Thailand, Kanada, Vietnam, Australien, Neuseeland, China, USA, Singapur und Malaysia; Unterstützung bei Bewerbungen und Beratungen zur Finanzierung und allen Angelegenheiten eines Auslandsstudiums auch während des Aufenthalts im Ausland
  9. IEC (International Education Centre) -> kostenlose Vermittlung von Studienplätzen in Asien, Südamerika, Australien, Nordamerika und Neuseeland
  10. Studium Downunder -> Repräsentant mehrerer Universitäten in Australien und Neuseeland; kostenlose Beratung und Hilfe bei den Bewerbungen für Studierende aus der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Österreich, Südtirol und Luxemburg); Vergabe von Zuschüssen und Stipendien

Finanzierung als Freemover

Der Klassiker zur Förderung eines Auslandssemesters ist nach wie vor das Auslands-Bafög. Da es sich hierbei um ein elternunabhängiges Bafög handelt, sind die Chancen recht gut, diese Finanzspritze zu erhalten. Die Anträge dazu können beim Auslands-Bafög-Amt gestellt werden. Um rechtzeitig über das Geld zu verfügen, sollte der Antrag mindestens sechs Monate vor Beginn des Auslandssemesters gestellt werden.

Auch das Promos-Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) ist eine begehrte Art der Finanzierung von Auslandssemestern. Da der DAAD nicht jede Hochschule fördert, ist es sinnvoll, sich vorher beim DAAD zu erkundigen, ob die Wunsch-Universität in der Förderung des DAAD ist. Die Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin 279 Hochschulen werden derzeit mit diesem Stipendium gefördert.

Das Auswahlverfahren für das Stipendium wird von den Hochschulen selbst getroffen. Die Verfahren zur Auswahl können dabei von Universität zu Universität variieren. Der Förderbetrag beträgt derzeit 300 Euro im Monat und ist damit etwas höher, als die Erasmus-Förderung. Zusätzlich erhalten die Stipendiaten einen Reisekostenzuschuss.

Aufgrund der hohen Nachfrage sollten Interessenten bereits ein Jahr vor Wunsch-Beginn des Auslandssemesters den Antrag auf das Stipendium stellen und auf etwas Glück hoffen. Von den jährlich gestellten Anträgen erhält gerade mal ein Viertel der antragstellenden Studenten die Zusage für das Stipendium.

Freemover – ja oder nein?

Eine pauschale Antwort nach dem Sinn oder Unsinn eines Freemover-Auslandssemesters gibt es nicht. Das Auslandsstudium als Freemover ist ein teurer Spaß, der auch ohne Finanzspritze durch Organisationen ein gewisses Eigenkapital erfordert. Dafür sind Freemover-Studenten im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich frei und an keine Vorgaben gebunden, wie sie bei Austauschprogrammen vorkommen.

Zusätzlich können diese Studenten den Auslandsaufenthalt dazu nutzen, um ein Netzwerk aufzubauen oder sich in Themen weiterzubilden, die in Deutschland noch nicht angekommen sind. So rentiert sich die hohe Summe für das Auslandsstudium in jedem Fall. Wer sich sicher ist, dass er das Auslandssemester später beruflich nutzen kann, sollte den Schritt eines Freemovers gehen – sofern das Erasmus-Austauschprogramm keine Option ist.

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