Medizinstudium im Ausland – Alternative zu NC?

Rund 62.000 Bewerber drängten sich 2017 pro Jahr auf knapp 11.000 Studienplätze in Humanmedizin. Das Missverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot von Medizin Studienplätzen ist seit vielen Jahren derart hoch, dass derzeit das Verfassungsgericht die Zulassungsbeschränkung durch das Zuteilungsverfahren durch die Stiftung der Hochschulzulassung (früher ZVS) derzeit prüft, und wahrscheinlich den Hochschulen selbst mehr Verantwortung zur Vergabe der Studienplätze in Humanmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin zuteilen wird. Denn: eigentlich ist die Chance auf einen Studienplatz noch viel geringer, würden sich auch die Studenten bewerben, die es derzeit gar nicht tun, weil sie keine Chance für sich sehen. Noch gilt der Numerus Clausus (NC), also die Durchschnittsnote des Abiturs als primäres Zugangsargument des Zuteilungsverfahrens.

Mit einem Medizinstudium im Ausland zum Traumjob Arzt

Immer mehr Abiturienten in Deutschland entscheiden sich dafür, ein Medizinstudium im Ausland zu beginnen. Besonders Medizinstudiengänge an Hochschulen in osteuropäischen Ländern erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Das liegt zum einen daran, dass immer neue Hochschulen in Ländern wie Tschechien, Polen, Lettland, der Slowakei, Rumänien oder Ungarn englischsprachige Medizinstudiengänge ins Leben rufen. Zum anderen haben Bewerber, die in Deutschland keine Aussicht auf einen Studienplatz haben, in Osteuropa mit die besten Chancen, einen Studienplatz zu ergattern. Das liegt unter anderem daran, dass dort allgemein weniger Bewerber auf einen Studienplatz kommen.

Vorteile eines Medizinstudiums im Ausland

Ein Medizinstudium im Ausland stellt nicht nur eine Möglichkeit dar, etliche Wartesemester zu umgehen und dem Traumberuf Arzt näherzukommen, sondern bietet euch noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile: Ihr habt nach der Schule einen Tapetenwechsel sicher und könnt in die Kultur eines anderen Landes eintauchen. Gleichzeitig sammelt ihr Auslandserfahrung, schult eure interkulturellen Kompetenzen und verbessert eure Englischkenntnisse. Ein Medizinstudium im Ausland bringt jedoch nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Vorteile. Ihr begegnet jungen Menschen aus verschiedensten Ländern und könnt neue Freundschaften schließen. Zudem lernt ihr euch auf eigene Faust zu organisieren, verbessert eure sozialen Kompetenzen und werdet automatisch selbstständiger.

Vieles spricht also dafür, Medizin in einem anderen Land zu studieren. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, euch für ein Medizinstudium im Ausland zu bewerben, solltet ihr jedoch einige Dinge beachten.

Anerkennung eines Medizinstudiums im Ausland

Medizin im Ausland studieren – ja, aber an welchem Studienstandort? Allgemein ist es ratsam, in einem Land der Europäischen Union zu studieren. Wenn ihr euren Abschluss in einem EU-Land macht, erhaltet ihr automatisch die Approbation für Deutschland, sofern die Rahmenbedingungen wie die gesundheitliche Eignung erfüllt sind. Die Approbation berechtigt euch dazu, selbstständig als Arzt in Deutschland tätig zu werden.

Wenn ihr dagegen Medizin in einem Nicht-EU-Staat studiert und einen ausländischen Abschluss in einem Nicht-EU-Staat erlangt, muss zunächst die Gleichwertigkeit des Abschlusses geprüft werden. Dies führt nicht selten zu Problemen bei der Anerkennung.

Komplettes Medizinstudium im Ausland absolvieren

Ein weiterer Punkt, über den ihr euch Gedanken machen solltet, ist die Frage, ob ihr bereit seid, mehrere Jahre in einem anderen Land zu studieren. Klar ist: Wer sein Studium in einem EU-Land komplett abschließt, hat es in der Regel leichter. Dagegen läuft der Wechsel von einer ausländischen an eine deutsche Universität nicht immer reibungslos ab und kann grundsätzlich nicht garantiert werden. Es ist also möglich, dass ihr unter Umständen länger als geplant im Ausland weiterstudieren müsst.

Für einen erfolgreichen „Ortswechsel“, also die Fortsetzung des im Ausland begonnenen Medizinstudiums in Deutschland, müssen die bisher erbrachten Studienleistungen zunächst anerkannt werden. Anschließend könnt ihr euch für das höhere Fachsemester an den verschiedenen Universitäten in Deutschland bewerben. Die Entscheidung, ob ihr einen Studienplatz erhaltet, liegt jedoch im Ermessen der einzelnen Universitäten.

Grundsätzlich kann es nicht schaden, vor Beginn des Medizinstudiums mit der entsprechenden Universität in Deutschland den möglichen „Ortswechsel“ abzuklären und sich über die genauen Voraussetzungen zu informieren.

Voraussetzungen für ein Medizinstudium im Ausland

Grundvoraussetzung für ein Medizinstudium im Ausland ist ein ausgeprägtes Interesse an naturwissenschaftlichen Themen. Die Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern spielen an vielen Hochschulen im Ausland eine wichtige Rolle. Darüber hinaus müssen Bewerber ausreichend gute Englischkenntnisse mitbringen. Zumeist fordern die Hochschulen zusätzlich einen Sprachnachweis, der normalerweise in Form eines Sprachtests wie dem TOEFL-Test oder IELTS-Test erbracht werden kann.

Ein einheitliches Auswahlverfahren für einen Studienplatz im Fach Medizin gibt es an den ausländischen Studienstandorten nicht, denn jedes Land hat sein eigenes Auswahlsystem. In osteuropäischen Ländern wie Tschechien oder der Slowakei finden beispielsweise zum Teil schriftliche und mündliche Eignungstests in naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie, Biologie und Physik statt. In Lettland dagegen sind an manchen Hochschulen die Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern während der Oberstufe, die Englischnoten sowie das Motivationsschreiben entscheidende Kriterien für eine Studienplatzzusage.

Studiengebühren für ein Medizinstudium im Ausland

Bevor ihr euch an einer ausländischen Hochschule bewerbt, solltet ihr unbedingt die Kosten für ein Medizinstudium in Erfahrung bringen und prüfen, ob ihr ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung habt. Ein Medizinstudium im Ausland ist nicht gerade preiswert. Wenn ihr beispielsweise in einem osteuropäischen Land studieren möchtet, müsst ihr durchaus mit 9.000 – 12.000 Euro pro Jahr an Studiengebühren rechnen.

Geeignete Länder und Hochschulen für ein Medizinstudium im Ausland

Nachfolgend versuchen wir euch eine grobe Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten zu geben die ihr habt, wenn Ihr Euer Medizinstudium im Ausland beginnen möchtet. Einerseits versuchen wir Euch die interessantesten Länder vorzustellen, andererseits werden Länder behandelt zu denen wir regelmäßig Anfragen bekommen. In unserem Internationalen Studienführer Medizin bieten wir außerdem ausführliche Informationen speziell zu vielen einzelnen Ländern.

Da jeder deutsche Abiturient der englischen Sprache mächtig ist, kommen englischsprachige Studiengänge für die meisten Interessenten am ehesten in Frage. Die Fachsprache der Mediziner ist Latein und deshalb in allen Ländern gleich. Leider sind die Möglichkeiten in England und Amerika begrenzt.

Um in England einen Studienplatz greifbar zu machen, sollte man zunächst ein Foundation Year absolvieren, um sich dem Niveau der englischen Schulbildung anzupassen. Danach muss man die Universitäten im Interview von seiner Motivation und seinen Fähigkeiten überzeugen. Bewerber sollten kleineren Universitäten auswählen, da dort das Verhältnis zwischen Bewerbern und Studienplätzen ausgeglichener ist und die Studiengebühren oft erheblich niedriger sind. Mit dem Foundation Year und dem Physikum in der Tasche, kann man nach drei Jahren problemlos zurück nach Deutschland wechseln und dort sein Studium fortsetzten.

Anders verhält es sich in Amerika. Das dortige Ausbildungssystem ist durch den unterschiedlichen Aufbau nicht mit dem in Deutschland vergleichbar. Entscheidet man sich für Amerika, entscheidet man sich für ein Vollstudium, da ein Wechsel nach Deutschland während des Studiums nicht möglich ist. Auf der einen Seite ist die amerikanische Medizinerausbildung für Normalverdiener nicht bezahlbar, auf der anderen Seite bekommen die Studenten dort auch in den Genuss der mitunter besten Ausbildung weltweit. Zudem ist das System sehr elitär und gerade der Sprung von der Pre-Med-School in ein Materprogramm, ist eine Hürde an der viele Studenten scheitern.

Geheimtipp: Unis in Osteuropa

Auch nicht gerade günstig sind die Studiengebühren an mehreren Universitäten in Osteuropa. Allerdings bekommt man dort recht einfach einen Studienplatz und hat außerdem noch die Möglichkeit während des Studiums zurück nach Deutschland zu wechseln.

In der Regel verläuft die Ausbildung so, dass der theoretische Unterricht vollständig auf Englisch abgehalten wird. Einheimische Sprachkenntnisse werden erst im klinischen Teil, ab dem 3. Studienjahr, zur Kommunikation mit Ärzten und Patienten benötigt. Die englischsprachigen Studiengänge in Osteuropa wurden oft aufgrund finanzieller Engpässe der Universitäten ins Leben gerufen, da von internationalen Studenten höhere Studiengebühren verlangt werden. Das heißt allerdings nicht, dass die Qualität des Studiums die Studiengebühren nicht rechtfertigt, oder dass man sich lediglich für viel Geld einen Studienplatz für ein mittelmäßiges Studium kauft. Die Ausbildung an diesen Universitäten ist, eben aufgrund der Studiengebühren, von den Rahmenbedingungen besser als an Universitäten in Deutschland. Die Studenten werden in kleinen Kursen individuell betreut und haben auch im praktischen Teil der Ausbildung bessere Möglichkeiten sich zu entfalten. Die dort erworbenen Abschlüsse sind nicht weniger anerkannt oder prestigeträchtig, als in anderen europäischen Ländern.

Ganz im Osten von Ungarn liegt die Universität von Debrecen die ein englischsprachiges Studium der Humanmedizin anbietet. Erst im klinischen Teil benötigt man ungarische Sprachkenntnisse zur Kommunikation mit Ärzten und Patienten. Die Chancen in Debrecen einen Studienplatz zu bekommen, sind trotz Aufnahmetest und Interview ausgesprochen hoch. Einziges Manko sind die Studiengebühren von ca. 6.000 € pro Semester. Ebenfalls in Ungarn, gibt es an der Semmelweiß Universität in Budapest sogar einen deutschsprachigen Studiengang. Die Bewerberzahlen sind allerdings ernüchternd.1200 Bewerber streiten sich um 150 Studienplätze. Auswahlkriterien sind hier unter Anderem Berufserfahrung im Gesundheitswesen, gute Noten in naturwissenschaftlichen Leistungskursen und ein Abi-Schnitt von mindestens 2,5. Die Studiengebühren betragen ca. 8.000 € pro Semester.

Für Aufsehen sorgt derzeit eine neue Kooperation zwischen dem Klinikum in Chemnitz und der Karluniversität in Prag. Dort versucht man einen Studiengang ins Leben zu rufen, der die theoretischen Einheiten in Prag und die praktischen in Chemnitz abhandelt. Dadurch soll das Studium komplett deutschsprachig sein. Obwohl die erste Garde von deutschen Studenten bereits in Prag studiert, scheint es noch einige Startschwierigkeiten zu geben. Bislang wird der Unterricht zum Beispiel auf Englisch gehalten, da noch keine deutschsprachigen Professoren zur Verfügung stehen.

in Tschechien gibt es aber noch weitere medizinische Fakultäten, die ein englischsprachiges Studium anbieten. Aufgrund der Studiengebühren von ca. 10.000 $ im Jahr und dem niedrigen Bekanntheitsgrad, sind die Aussichten auf einen Studienplatz sehr gut.

Wer sich auch in anderen Sprachen zurechtfindet, hat zum Beispiel in Italien gute Chancen einen Studienplatz zu bekommen. Dort sind sogar die Studiengebühren verhältnismäßig niedrig. Die einzige Hürde ist, neben der Sprache, ein Aufnahmetest samt Interview, bei dem man chancengleich mit den italienischen Bewerbern konkurriert. Wer noch nicht fließend Italienisch spricht, kann sich mit einem speziellen Sprachkurs auf Test und Studium vorbereiten. Ein Wechsel zurück nach Deutschland ist nach dem Physikum problemlos möglich. Ein Vollstudium empfiehlt sich nur bedingt, da das italienische Studium sehr verschult ist und auf praktische Berufserfahrung wenig wert gelegt wird.

Ähnlich verhält es sich in Spanien. Jedoch ist die Aufnahmeprüfung, das „Selectividad“, wesentlich schwieriger als in Italien. Ob man für einen Studienplatz zugelassen wird, errechnet sich aus der Abiturnote und den Ergebnissen im Selectividad. Von der Ausbildung her ist das spanische Studium sehr verschult; Famulaturen sind meist freiwillig und binden die Studenten kaum in die ärztlichen Tätigkeiten ein. Auch aufgrund der schwierigen Abschlussprüfung „MIR“, die den gesamten Stoff der sechs Studienjahre beeinhaltet, ist ein Vollstudium in Spanien nicht unbedingt empfehlenswert. Wer aber als Studienbeginner die drei „großen Scheine“ in Biologie, Chemie und Physik absolviert, bekommt diese anerkannt und kann zurück an eine deutsche Uni wechseln.

Frankreich verfügt über eines der besten Systeme zur Ausbildung ihrer Mediziner und das Studium ist nicht zulassungsbeschränkt. So streiten sich aber im ersten Semester an manchen Unis 700 Studenten um 100 Sitzplätze im Hörsaal. Doch nach dem ersten Semester finden bereits Siebungsklausuren statt, die nur die besten Studenten (ca. 15-20%) bestehen. Wer eine ernsthafte Konkurrenz für die französischen Studenten sein möchte, sollte ausgezeichnete Französischkenntnisse mit ins Studium bringen. Fühlt man sich der elitären französischen Ausbildung gewachsen, kann man nach dem ersten Semester eine ausgezeichnete Ausbildung genießen. Im Klinikum wird morgens Theorie und nachmittags Praxis unterrichtet. Für die Ärzte ist die gründliche praktische Ausbildung meist keine Klausel, sondern eine Ideologie.

Länder wie Österreich und die Schweiz bieten leider keine Chancen, ein Studium aufzunehmen. In der Schweiz muss man entweder Staatsbürger sein, oder mindestens fünf Jahre in der Schweiz leben. Österreichische Universitäten nehmen Medizinstudenten nur dann auf, wenn sie in Deutschland bereits einen Studienplatz vorweisen können. Auch in anderen Nachbarländern wie Belgien und den Niederlanden sind die Möglichkeiten begrenzt. Da einheimische Studenten die medizinischen Fakultäten bereits überrennen, gibt man kaum Kontingente für ausländische Studenten frei. Per Losverfahren kann man mit viel Glück einen Studienplatz bekommen.

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