Vom Studium zur Ausbildung

Ein Erfahrungsbericht

Aktuell studiere ich im letzten Semester Französisch und Skandinavistik und fange gerade mit der Bachelorarbeit an. Da das Ende meines Bachelors also sichtlich näher rückt, wird mir oft die Frage gestellt, wie es danach weitergeht. Dass ich danach eine Ausbildung zur Fachinformatikerin anfange, überrascht zunächst viele.

Die Frage, ob ich eine Ausbildung machen will, habe ich mir nie gestellt

Für mich stand immer fest, dass ich studieren wollte. Während meiner gesamten Schulzeit habe ich mich darauf gefreut. Ich wurde weder von meinen Eltern dazu gedrängt, noch dachte ich, dass es in irgendeiner Weise wertvoller wäre als eine Ausbildung. Die Frage hat sich einfach nicht gestellt. Von allen Seiten wurde mir gesagt, dass es die beste Zeit des Lebens werden würde. Und die Ausbildungsberufe, die ich kannte, haben mich nicht angesprochen: Der Fokus auf die Praxis sowie die Perspektive nach zwölf Jahren Gymnasium nun die Berufsschule besuchen zu müssen, hat mich zusätzlich abgeschreckt.

Erste Studienzweifel haben sich schnell eingeschlichen

Also habe ich mich nach dem Abitur und einem Auslandsjahr, das mich nur noch einmal in meiner Entscheidung bestätigte, in mein Studium gestürzt. Ein Semester lang konnte ich normal an der Uni studieren, dann wurde wegen Corona alles erst einmal auf Online-Kurse umgestellt. Abgesehen von meinen Auslandssemestern verbinde ich Studieren also in erster Linie damit, mir selbstständig am Computer Theorie beizubringen. So haben sich fast von Anfang an Studienzweifel eingeschlichen, die ich trotzig immer wieder zur Seite geschoben habe. Ironie des Schicksals: Das, was mir in meinem Studium letztendlich wirklich gefehlt hat, war ausgerechnet der Praxisbezug. Ich habe zweifellos eine Menge gelernt, aber wenn mich jemand fragt, was ich denn nach den vier Jahren Studium jetzt kann, dann bin ich kurz sprachlos.

„Aber war dann nicht alles umsonst?”

Auch so eine Frage, die ich manchmal höre, wenn ich von meinem Ausbildungsplan erzähle. Zum Glück keine, die ich mir selbst stellen muss, denn ich weiß: Nein, ich habe extrem viel aus meinem Studium mitgenommen. Durch Erasmus konnte ich ein wunderschönes Auslandsjahr erleben und in den Jahren meines Studiums überhaupt erst einmal die Entwicklung machen, um zu verstehen, was ich brauche und möchte. Ich weiß, dass ich damals mit 19 die Entscheidung getroffen habe, die zu dem Zeitpunkt die richtige war – und nun kann ich guten Gewissens die Entscheidung treffen, die jetzt die richtige ist. Es ist schwierig, so jung zu entscheiden, was man mit dem Rest seines Lebens machen möchte, da man zu dem Zeitpunkt wenig von der Welt gesehen hat. Gleichzeitig ist es purer Luxus, völlig frei gemäß seiner Interessen entscheiden zu dürfen und zu können.

Nur wenn man die Dinge probiert, weiß man, ob es die richtige Entscheidung ist

Vielleicht erschlägt einen die Fülle der Möglichkeiten weniger, wenn man im Kopf behält, dass es keine Entscheidung für die Ewigkeit ist. Es ist absolut keine Schande, sich voller Leidenschaft und Motivation in eine Sache zu stürzen und dann zu merken, dass es Zeit für die nächste ist. Natürlich verändert man sich im Laufe seines Lebens, und gleichzeitig verändern sich auch Wünsche, Interessen und Ansprüche. Ich bin froh und dankbar, studiert haben zu können, aber ebenso dankbar und vorfreudig, bald mit meiner Ausbildung zu beginnen. Letztendlich findet man nur heraus, was man wirklich möchte, wenn man Dinge ausprobiert. Herauszufinden, was man nicht (mehr) möchte, kann ein hilfreicher und motivierender Schritt sein. Seinen Weg zu ändern, bedeutet jedenfalls nicht, zu scheitern. Nur wer nicht versucht, hat schon verloren.

Natalie studiert Französisch und Skandinavistik in Bonn

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